Annahme verweigert: Was passiert wenn man Politische Kommunikation mit Marketing verwechselt

Löwen Entertainment Pakete

Politische Kommunikation geht besonders dann in die Hose, wenn man sie mit Marketing verwechselt. Das musste auch der Spielautomaten-Hersteller Löwen Entertainment erfahren, als er ungefragt kistenweise Süßigkeiten mit Werbeaufdruck an Abgeordnete des Bayerischen Landtags verschickte.

Man muss sich das so vorstellen: Plötzlich stehen in einem engen Fraktionsflur zig Kisten herum, die niemand bestellt hat. Einige der Empfänger haben nicht mal ihr Büro in dem Flur, sondern sind in andere Gebäude ausgelagert und müssten die Kisten per Hand dorthin transportieren. Der Inhalt der Pakete: Werbemittel in Form von Süßigkeiten. Da fragen sich die Abgeordneten, ob sie nun bei ihren Veranstaltungen die Bonbons an die Gäste verteilen und für das Unternehmen Werbung machen sollen? Oder sollen sie sogar ihre Politik “glücksspielfreundlicher” gestalten, weil sie sich jetzt kiloweise mit Süßkram den Frust von der Seele essen können?

Auch wenn das Unternehmen – anders als Mitbewerber – nicht gleich zur Parteispende greift: In der Post-Wulff-Zeit nimmt man es mit der Annahme von Dingen – und seien es nur Bonbons – sehr genau. Die Vereinnahmung zu Werbezwecken kann darüber hinaus natürlich auch nicht gut gehen. Und so waren es nicht nur Abgeordnete meines Arbeitgebers, die die unliebsame Überraschung mit der Aufschrift “Annahme verweigert. Bitte zurück an Absender!” quittierten, sondern mehrere (alle?) EmpfängerInnen im Landtag quer durch die Fraktionen.

Es kommt immer wieder vor, dass Unternehmen ungefragt Dinge an PolitikerInnen schicken: Bonbons, Schoko-Nikoläuse,… – essbare Dessous wären neu. Aber ich habe nie erlebt, dass so etwas kreativ gewesen wäre oder in eine Strategie eingebunden. Es war oft einfach nur billig. Aber Marketing funktioniert hier eben nicht! Politische Kommunikation kann nur erfolgreich sein, wenn sie themenbezogen ist, den Dialog sucht und auf die PolitikerInnen mit ihren Anliegen zugeht. Mit blindem Marketing beißt man sich die Zähne aus – auch an ganz weichen Bonbons.