Rollenverständnis

Analyst, Consultant, Manager, Principal, Partner: Es gibt Unternehmen mit klaren Hierarchien und transparenter Karriereleiter. Gerade im Marketing ist das anders: Hier versucht man mit Titeln wie “Lead Creative Art Director”, “Senior Consultant User Journeys” oder “Director Content Strategy and Text” nicht nur Kreativität zu beweisen, sondern möglichst undeutlich zu machen, wer was macht, wie man organisiert ist und vor allem, wer wessen Chef ist. Die moderne Agentur-Arbeitswelt hält nicht viel von klassischen Strukturen, auch wenn es sie auf dem Papier durchaus gibt. Schließlich arbeiten ja alle für den Kunden: eigenverantwortlich, selbständig und natürlich voll motiviert. Voller Fokus auf die gemeinsame Arbeitsleistung bei minimaler Strukturorganisation.

Um so wichtiger finde ich, dass man sich klar macht, wer Finder, Minder oder Grinder ist.

  • Finder: Wer findet neue Kunden und rentable Projekte?
  • Minder: Wer führt die Klienten und managed die Umsetzung?
  • Grinder: Wer macht die eigentliche Arbeit? 

Alle Agenturen und Beratungsunternehmen funktionieren nach diesem Modell – egal was der Ansprechpartner gerade auf seiner Visitenkarte stehen hat. Und in einem Projekt sind alle diese Rollen wichtig: Die Leute aus dem der Geschäftsführung oder dem Senior Management, die Kundenkontakt haben und neue Projekte an Land ziehen. Die Account Manager, Product Owner und Projektleiter, die mit Ressourcen und Anforderungen jonglieren, um die vereinbarten Ziele zu erreichen. Und natürlich die vielen Kreativen, Programmierer, ITler und Ninjas, welche die tatsächliche “Produktion” bevölkern.

Es liegt übrigens in der Natur der Sache, dass diese Rollen nicht trennscharf sind, sondern sich manchmal überlappen.
Vorsicht ist allerdings geboten, wenn man zum FiMiGri wird!

Auch ich hatte schon Wochen, in denen ich neue Projekte klar machen konnte, laufendes Projektmanagement durchzog und nachts noch beim Content Load einer Datenbank half. Einmal abgesehen davon, dass das der teuerste Content Load ist, den man sich vorstellen kann: Es macht einen fertig, wenn man alles macht.

Deshalb macht es von Zeit zu Zeit Sinn, sich die Frage zu stellen, welche Rolle man hat.
Diese sauber auszufüllen, sollte im Fokus stehen.
Alles andere ist Nice-to-have oder Unnötig.
Oder um es mit den Worten meines Chefs zu sagen, als er mich um elf Uhr abends vor der Datenbank sitzen sah:

“Mei bist du bled.”