Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) Heinrich Haasis geht mit 67 Jahren Anfang 2012 in den Ruhestand. Das wissen wir seit Anfang September und seit dem läuft die Suche nach einem Nachfolger.
Vorgeprescht ist Rolf Gerlach, Präsident der westfälischen Sparkassen. Er gilt zwar als durchsetzungsstarker Sparkassen-Manager, aber mit seinen 57 Jahren und seinen aktuellen WestLB-Problemen ist er nicht gerade ein Zukunftszeichen für den DSGV. Dass die Suche nach einem Kandidaten für den hoch dotieren Posten des DSGV-Präsidenten deshalb auch in die (Unions-)Politik führt, ist beim konservativen Sparkassen-Verband nicht verwunderlich. Die personellen Vernetzungen von der Kreis- bis zur Bundesebene sind fast schon traditionell.
Und so berichtete die Süddeutsche Zeitung am Wochenende, dass der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (43, CSU) als Nachfolger von Haasis im Gespräch ist. Fahrenschon ist Volkswirt und arbeitete u.a. bei der BayernLB als Fachreferatsleiter Risiko & Controlling. Von 2002 bis 2007 saß er im Bundestag, wo er von 2005 bis 2007 den Arbeitskreis Haushalt und Finanzen der CSU-Landesgruppe führte. Anschließend wechselte er als Staatssekretär ins Bayerische Finanzministerium und seit Oktober 2008 ist er Finanzminister. Den DSGV kennt Fahrenschon also aus seiner Arbeit – u.a. als Beiratsmitglied des bayerischen Sparkassenverbandes – gut. Und da er in der Aufarbeitung des BayernLB-Debakels zwar CSU-Granden zur Rechenschaft zog, die mangelnde Aufsicht der Sparkassen, denen die BayernLB zur Hälfte gehört, aber nie thematisierte, ist er dort auch wohl gelitten. Bankenkreise trauen dem CSU-Politiker zu, zwischen Sparkassen und Politik zu vermitteln und den Verband auch fachlich versiert zu führen. Damit liegen sie vermutlich nicht falsch, denn selbst politische Gegner sehen in Fahrenschon einen der profiliertesten Finanzpolitiker der Union.
Zum Leidwesen der CSU ist er aber auch ihr einzig verbliebener Finanzpolitiker. Aus den Reihen der Fraktion bieten sich weder Haushaltsausschuss-Vorsitzender Georg Winter noch andere Ausschuss-Mitglieder als großartige Nachfolger Fahrenschons an. Auch Finanz-Staatssekretär Franz Josef Pschierer, der sich gern als Bayern-CIO tituliert, ist eher unbekannt. Bleibt noch der stille Thomas Kreuzer, der den BayernLB/HGAA-Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag geleitet hat. Als Belohnung für seine akribische und durchaus ansehnliche Arbeit wurde er zum Staatssekretär befördert: Allerdings ins Kultusministerium, was für den Aktenliebhaber Kreuzer eher eine Strafe ist. Neben Minister Ludwig Spaenle war im Kultusministerium darüber hinaus noch nie Platz für einen Staatssekretär – noch dazu aus dem gleichen Bezirksverband. So dürfte mittlerweile die Frustrationsschwelle bei Thomas Kreuzer so hoch sein, dass er gerne ins Finanzressort wechseln würde.
Alles in allem wäre ein Weggang von Georg Fahrenschon zum DSGV aber ein herber Verlust für die CSU, der – trotz aller Personalspiele – nicht zu ersetzen ist. Nach dem BayernLB-Debakel hat die Partei enorm an inhaltlicher Glaubwürdigkeit verloren und in der aktuellen Euro-Krise begibt sie sich mit der Forderung nach Ausschluss von Griechenland aus der Euro-Zone eher in die Populismusfalle. Mit dem Verlust von Georg Fahrenschon würde die CSU nun aber auch personell finanzpolitisch trocken gelegt.






