Die Berliner Grünen haben, wie es sich für eine Partei gehört, ein Wahlprogramm für die Abgeordnetenhauswahl am 18.09.2011 erstellt. Nun sind Wahlprogramme so eine Sache. Die Einen finden sie zu abstrakt, die Anderen zu konkret. Den Einen wird zu viel Wert auf ein Thema gelegt, die anderen zählen Wörter und beschweren sich über zu wenig Beachtung. Die Einen wollen 300-seitige Pamphlete, um auch wirklich alle Aspekte eines Themas zu berücksichtigen, die anderen am liebsten nur Stichpunkte. Was am Ende in Koalitionsverhandlungen und in Regierungsverantwortung von einem Wahlprogramm übrig bleibt, ist dann wieder eine ganz andere Sache.
Aber nicht nur der Inhalt des Wahlprogramms zählt, sondern auch die Form. Oder wie Marshall McLuhan feststellte: „Das Medium ist die Botschaft.“ Und mit Wahlprogrammen in verschiedenen Formen können auch die unterschiedlichsten Bedürfnisse befriedigt werden. So gibt es das Berliner Grünen-Wahlprogramm als normale Langfassung (PDF), mit Videos aufbereitet auf der Webseite und als Version in Leichter Sprache. Zusätzlich gibt es das Wahlprogramm nun auch als Video, vorgelesen und in Gebärdensprache gedolmetscht.
Barrierefreiheit ist in der Kommunikation mittlerweile ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Zum Jahresende 2009 wurden lt. Wikipedia insgesamt 7,1 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland statistisch erfasst; das waren etwa 184.000 oder 2,7 % mehr als zwei Jahre zuvor. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 8,7 %. Zum Vergleich: Lt. Wolfram Alpha gibt es in Deutschland ca. 10,7 % Selbständige. Die Zielgruppe ist also nicht groß – auch wenn sie aufgrund der undifferenzierten Datenlage schwer zu beschreiben und nach allgemeiner Auffassung eher “unsexy” ist. Photo-Ops hat man als Politiker halt lieber mit erfolgreichen Unternehmern als mit normalen Bürgern mit Behinderung – die Spenden auch nicht so viel. Aber Wahlen werden nicht in der Bunten gewonnen, sondern in der Wahlkabine.
Darüber hinaus zeigen Politiker, Parteien, Verbände und Unternehmen mit barrierefreien Angeboten nicht nur direktes Interesse an der Zielgruppe behinderter Mitmenschen, sondern machen auch deutlich, dass sie sich generell über Integration/Inklusion, die eigene soziale Verantwortung und das gesellschaftliche Miteinander Gedanken macht. Deshalb sollten barrierefreie Angebote mittlerweile zur Standardaustattung jeder Kampagne gehören.




