The Next Big Thing: 2012 wird das Jahr des Internet-Fernsehers

Kaum eine Erfindung der letzten Jahre hat den IT-Markt so verändert wie das iPhone und anschließend das iPad. Mit dem iPhone hat Apple ein Gerät geschaffen, das den Computer in die Hosentasche brachte. Viele Innovationen im Nachgang – z.B. Location Based Services – wurden so erst möglich. Das iPad hat, obwohl es auch viele Analysten im Vorfeld nicht glauben mochten, tatsächlich einen neuen Markt von Tablets zwischen Smartphone und Laptop begründet. Auch die Nutzung der Geräte wurde revolutioniert: Anstatt Programmen gibt es Apps und anstelle von Tastaturen und Mäusen, Touchscreens und -pads. Alles wurde kleiner, leichter, mobiler, haptischer und smarter.

Glaubt man den Gerüchten aus dem Silicon Valley, geht die nächste Revolution in die entgegengesetzte Richtung: zu einem großen, schweren, stationären Gerät. Gemeint ist nichts weniger als die Neuerfindung des Fernsehers. Natürlich steht im Zentrum der Gerüchteküche erst einmal Apple, das dafür bekannt ist, Hard- und Software aus einem Guss zu fertigen. Basis für die Gerüchte, die einen Marktstart eines Apple Fernsehers mit Internetzugang, iTunes-Store und Videorekorder im ersten Quartal 2012 vorhersagen, sind verschiedene Berichte u.a. von Global-Equities-Research-Analyst Trip Chowdhry und Piper-Jaffray-Analyst Gene Munster.

Dass Apple im TV-Markt unterwegs ist, ist nichts Neues. Schließlich ist die Set-Top-Box Apple TV mittlerweile in der zweiten Generation verfügbar – wenn auch, verglichen mit den anderen Apple-Produkten, eher als Hobbyprojekt aus Cupertino. Das Schöne am Apple TV ist aber, dass es sich nahtlos in die Apple-Umgebung zu Hause aus iPhone, iPad und iMac einbindet und den alten Fernseher mit ins “iBoot” holt. Apple-Jünger schätzen diese Homogenität.

Doch es gibt noch einen anderen homogenen Lebensraum: die Google Welt mit ihren vielfältigen Online-Services, dem Android-Betriebssystem und seit kurzem auch mit der Motorola Handysparte. Und auch Google tummelt sich im Fernsehmarkt. Während das in den USA aufgrund des eher eisigen Verhältnisses zu den Fernsehanstalten nicht ganz so erfolgreich ist, möchte Google ab nächstem Jahr auch in Europa mit Google TV punkten.

Fernsehen und Internet: Ein Marktpotential?

Wenn nun die beiden mittlerweile einzig verbliebenen ernstzunehmenden Großunternehmen im IT-Consumer-Markt auf TV-Lösungen setzen, scheint der Weg vorgezeichnet. Aber passt das wirklich zur Realität? Andre James, Ron Kermisch und David Sanderson berichten in einem Bain & Company Business Insight von Mai 2011, dass 2013 rund 60 % der US-Haushalte mit Breitbandversorgung ihren Fernseher ans Internet angeschlossen haben werden. Und auch in Deutschland hatten laut BITKOM Ende 2010 zwei Drittel der Haushalte eine Breitbandversorgung, während gleichzeitig jeder zweite neue Fernseher internetfähig ist. Das letzte ist übrigens nicht nur eine Aussage über die Qualität der Fernseher, sondern auch darüber, dass die Kunden hier durchaus bereit sind, in zukunftsfähige Hardware zu investieren.

Die grundlegende Technikausstattung scheint also nicht schlecht zu sein, und auch die Bereitschaft, für ein entsprechendes Gerät Geld auszugeben ist wohl vorhanden. Aber warum? James, Kermisch und Sanderson haben festgestellt, dass eine wachsende Zahl der Konsumenten mit ihrem TV-Angebot unzufrieden ist. Viele sind bereit, für ein gutes Inhalte-Angebot Geld auszugeben, wie z.B. die Abonnentenzahlen von Sky zeigen. Aber die hohen Kündigungsraten sagen uns auch: Der klassische Film- und Fernsehmarkt ist eigentlich nicht das, wonach die Konsumenten suchen.

Ebenso wie sich durch iTunes und iPod oder durch Streamingdienste das Musikkonsumverhalten verändert hat, hat sich in den letzten Jahren das Filmkonsumverhalten verändert. Die Kunden wollen Interaktion (Stichwort “Konvergente Mediennutzung”), sie wollen Selbstbestimmtheit und sie wollen die komplette Auswahl an Filmen. So ist es mittlerweile in meinem Freundeskreis durchaus üblich, bei Amazon ganze Serien als DVD zu kaufen – gerne auch in UK oder USA (z.B. The West Wing, Mad Men oder The Wire). Es erschließt sich den Kunden in Deutschland in einem globalen Markt einfach nicht mehr, warum sie auf die neue Dr. House-Staffel ein halbes Jahr warten sollen, während diese in Amerika schon läuft. Diese Bedürfnisse bedienen u.a. Dienste wie Netflix oder Hulu – in Deutschland aus den selben lizenzrechtlichen Gründen gesperrt, die Kunden von den klassischen TV- und Filmanbietern weg und in den Wahnsinn treiben.

Film & Fernsehen: Das Frustrationspotential ist ausgeschöpft.

Es ist also nicht nur eine Frage der Hard- und Software, welche die neuen Stars am Internet-Fernsehhimmel die Gunst der Konsumenten gewinnen lässt. Es ist eine Frage der Philosophie. Es geht nicht mehr nur darum aus den Filmlizenzen, die man erworben hat, durch “Aussendung” und den damit verbundenen Werbeeinnahmen Gewinn zu machen. Es geht darum, dem Nutzer selbst ein Maximum an Freiheit zu geben. Die Freiheit, Filme zu speichern. Die Freiheit, TV-Geräte auch für Facebook & Co. zu nutzen. Und auch z.B. die Freiheit, auf Werbung zu verzichten – ein Geschäftsmodell, mit dem Fernsehanstalten – im Gegensatz zu Internetfirmen – eigentlich keine Erfahrung haben.

Wohin der Kampf um die Fernseh-Nutzer (der Begriff Zuschauer, ist einfach zu passiv) geht, ist nicht absehbar. Denn die Angreifer Google, Apple, Netflix, Hulu und Co. haben tolle Software und Hardware im Angebot, die die Kunden wollen. Dem stehen die klassischen Fernsehanbieter entgegen, die nicht nur Manpower, Geld, Rechte und Lizenzen, sondern auch viel politischen Einfluss im immer noch streng regulierten Fernsehmarkt haben. Einige wichtige Eckpunkte, um die sich der Wettbewerb zukünftig drehen wird, haben aber die Bain-Analysten gut herausgearbeitet:

  • Direkter Zugang zum Kunden
  • Inhaltsangebot (Breite & Qualität)
  • Flexibilität des Geschäftsmodells
  • Zuverlässigkeit & Verfügbarkeit
  • Nutzerfreundlichkeit

Fazit: Die Konsumenten sind bereit.

Wenn nun ab dem Jahr 2012 Google und Apple ihr Filmangebot auf den europäischen Markt bringen, holen sie die frustrierten Fernsehkunden genau da ab, wo sie klassische Fernsehanbieter stehen gelassen haben. Und diese Rechnung könnte aufgehen, denn die Kunden sind technisch so weit, dass sie Internet-Fernseher nutzen können, sie sind – speziell im Fall von Apple – von den bisher abgelieferten Produkten im Computerbereich überzeugt, das Mediennutzungsverhalten von Computern und Fernsehern nähert sich immer mehr an und die Konsumenten wollen wirklich Geld in die Hand nehmen. Wer nimmt es ihnen ab?

Preview: Grüner Kinoabend “Joschka und Herr Fischer”

Er war 68er-Aktivist, Stadtguerillero, Taxifahrer, Sponti – er wurde hessischer Umweltminister in Turnschuhen und deutscher Außenminister im Anzug: Das bewegte Leben von Joseph „Joschka“ Fischer dient Regisseur Pepe Danquart als roter Faden, um von sechs Jahrzehnten deutscher Nachkriegsgeschichte zu erzählen.

Gemeinsam mit meiner Kollegin Daniela Wüst von der Grünen Landesgeschäftsstelle und dem Grünen Stadtbüro München habe ich eine Preview des neuen Kinofilms über Joschka Fischer und die letzten 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland organisiert.

Die Sondervorstellung von “Joschka und Herr Fischer” findet am am Mittwoch, den 18. Mai um 20 Uhr im Kino Atelier 1 (Sonnenstr. 12, München) statt – einen Tag vor dem offiziellen Kinostart.

Karten gibt es für 5 Euro im Stadtbüro (Mo – Fr, 15 – 18 Uhr ) und in der Landesgeschäftsstelle (Mo – Fr, 9-13 und 14-16 Uhr), Sendlinger Str. 47. Restkarten an der Abendkasse.

Das sagen die anderen:

Joschka und Herr Fischer ist die Siegergeschichtsschreibung jener Protestgeneration, die damals auf der falschen Seite der Mehrheit war und heute mitten drin steht.
Georg Diez, Der SPIEGEL

Packender Geschichtsunterricht mit einer polarisierenden Persönlichkeit.
Kino.de

Ich hätte lieber andere Schuhe getragen als diese Turnschuhe. Auch sonst lief es in Hessen damals nicht rund. Ich habe alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte.
Joschka Fischer

Und hier noch der Trailer:

re:publica 2011 und die Kritik an der Digitalen Gesellschaft

Es gibt mittlerweile jede Menge re:views und re:indrücke der re:publica auf der offiziellen Webseite. Aber natürlich schließe ich mich Mathias Richel gerne an und veröffentliche aus reinen SEO-Gründen hier die entsprechenden Videos. Dabei möchte ich auf das letzte Video – die Rede von Gunter Dueck zum Thema „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“ – ganz besonders hinweisen.

Insgesamt war die re:publica für mich dieses Jahr wieder ein Erfolg. Das liegt aber – trotz vieler guter Themen – nicht unbedingt an der Konferenz selbst, sondern viel mehr an den Gesprächen mit interessanten Menschen außen rum. So waren die Beiträge des Tracks re:open und der Google-Abend in Clärchens Ballhaus unglaublich gut. Das hätten Max Senges & Co. aber ohne die überfüllte Kalkscheune fast schon besser hinbekommen können. Darum schließe ich mich der Kritik und dem Ausblick von Falk Hedemann (t3n) gerne an: Drei Dinge, die besser werden müssen.

Tja und dann gibt es noch etwas zur Digitalen Gesellschaft zu sagen. Also dem neuen Lobbyverein für Netzpolitik, der sich um Markus Beckedahl gegründet hat. Die Kritik daran kann ich mir eigentlich sparen, denn sie ist unüberhörbar

Für mich kann ich folgendes zusammenfassen: Ich verstehe, warum ein netzpolitischer Lobbyverband notwendig ist, und warum Leute wie Falk die Digitale Gesellschaft gegründet haben. Aber es ist der falsche Weg, der da beschritten wird, wenn versucht wird, eine netzpolitsche Kopie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zu bauen. Nach all den Gesprächen der letzten Tage kann ich eigentlich nur auf die Argumente der oben verlinkten Kolleginnen und Kollegen verweisen und auf Albert Einstein:

Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben.

 

 

Pizza Digitale: Scholz & Friends Mitarbeiterwerbung

Sehr schöne Idee von Scholz & Friends zur Mitarbeiterwerbung: Eine “Pizza Digitale” mit Tomatensoßen-QR-Code lud Mitarbeiter/-innen von Konkurrenzfirmen ein, sich bei S&F zu bewerben. Nach 12 Bewerbungsgesprächen standen zwei neue Digital-Teams.

Kaffeehauskultur 2.0

Das Kaffeehaus war über lange Jahre der Ort, an dem z.B. in Wien oder München neue Ideen ausgetauscht und innovative Vorhaben geplant wurden. Das Kaffeehaus war Lebens- und Arbeitsort zugleich für viele bekannte Namen wie Gustav Klimt oder Leo Trotzki und damit der Vorgänger z.B. von Coworking Spaces. Auch heute sind gastwirtschaftliche Orte wie z.B. das St. Oberholz Räume für das Leben und Arbeiten der kreativen Klasse.

Ein Artikel auf edible geography beschreibt in diesem Kontext eine sehr hübsche Idee: Was wäre, wenn es eine App gäbe, die alle Ideen und Projekte eines Ortes sichtbar macht? Könnte dies zu einer Kaffeehauskultur 2.0 führen? Ich finde: Eine interessante Idee, die Arbeiten im Netz und Leben im Café mit einem Community-Ansatz verbindet, der für alle Beteiligten Vorteile hat, ohne schon wieder viel zu viele Informationen auf eine anonyme Plattform zu stellen.

Hinweis: Die Bilder stammen von Nikki Hiatt und wurden ursprünglich für die Food Issue des New City Reader erstellt. Die Bilder gibt es als Prints beim New Museum und bald online.