Strategie, Kommunikation, Technologie, Social Media Expertise
und Digitale Trends für Politik, Medien und Unternehmen.

Mein Jahresrückblick 2012

Jetzt ist die Welt doch nicht untergegangen und so lohnt sich ein kurzer, persönlicher Rückblick auf das Jahr letzte Jahr. Und weil so ein Jahr richtig schön voll ist, habe ich mal versucht, (fast) alle für mich wichtigen Themen an Monaten festzumachen.

  • Januar: Das Bild des schräg im Wasser liegenden Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia hat uns das ganze Jahr über begleitet. Für mich ein Symbol, dass Schifffahrt heute echt mal überdacht werden müsste (Passend dazu auch die Initiative, die eine Freundin leitet: http://www.shipbreakingplatform.org). Dass Schiffe nicht immer nur sinken müssen, sondern auch im Jahr 2012 noch Potential für Heldengeschichten liefern, hat übrigens auch die 16-Jährige Laura Dekker mit ihrer Weltumseglung bewiesen, die Anfang 2012 erfolgreich zu Ende ging.
  • Februar: Irgendwie kam Griechenland in diesem Monat nicht mehr aus den Schlagzeilen. Unter dem Stichworten Euro-Rettung und Staatsbankrott wurde politisch diskutiert, während Bürger auf die Straße ginge,  einfache Menschen verzweifelten und Super-Reiche reicher wurden. Zum Glück hat sich die öffentliche Debatte in Deutschland vom Griechen-raus-aus-Europa-BILD-Populismus hin zur Einsicht gewandelt, dass Europa wir alle sind.
  • März: Ha! Der Gauck! Irgendwie wurde niemand so richtig mit ihm warm und trotzdem wollten ihn alle (also bis auf CDU/CSU und Linke). Und was hat es gebracht? Er macht seinen Job bis jetzt ganz gut, hat seine Freundin behalten und ist sich auch sonst treu geblieben. Wenn er jetzt noch ein paar Akzente setzt, passt das schon mit uns zwei.
  • April: Irgendwie haben es die Piraten geschafft, dass die Urheberrechtsdebatte etwas aus dem Ruder lief. Naja, wenigsten wurde die Debatte dann auch eine Zeit lang ernsthaft in den Medien weiter geführt. Angekommen ist man aber nirgends – bis auf die Tatsache, dass Schwarz-Gelb das ominöse Leistungsschutzrecht einführen will und die Piraten heute schlechtere Ergebnisse haben als die FDP.
  • Mai: In NRW und Schleswig-Holstein gab es Wahlen. Mehr Rot und Grün, etwas Orange, weniger Schwarz und kaum noch Gelb. War sonst noch was? Ach ja: Mein Jobwechsel von der Grünen Landtagsfraktion in Bayern zur Agentur schalk&friends. Und weil so viele Fragen: Ja, immer noch mit weinendem und lachendem Auge: Ich mag Politik und ich mag es besonders, im politischen Maschinenraum zu arbeiten. Aber Agentur musste auch mal sein (so ist das im PR-Beruf…) und da hätte ich keine bessere Wahl treffen können. Und mein Chef auch nicht, ähäm… ;-)
  • Juni: Als alter Royalist erfreute ich mich am diamantenen Thronjubiläum von Queen Elizabeth II und arbeitete.
  • Juli: Als Interessierter an Naturwissenschaften aller Art erfreute ich mich am Fund des Higgs-Bosons während eines Experiments im CERN. Und ich arbeitete noch mehr.
  • August: Weil ist so viel gearbeitet hatte, muss ich auch mal in den Urlaub: Türkei, 5 Sterne, Wellness. Grandios.
  • September: 1000 Kilometer von meinem Urlaubsort entfernt, in Syrien, war Bürgerkrieg. Das wollte man in Europa lange Zeit gerne übersehen. Dass sich hier auch Deutschland engagieren müsste (Stichwort: R2P), war für mich klar, nachdem ich sah wie der Basar von Aleppo in Flammen aufging. Mittlerweile gibt es ein NATO-Mandat und deutsche Patriots schützen die Menschen an der türkisch-syrischen Küste.
  • Oktober: Während in den Magreb-Staaten und Syrien der Umbruch noch voll im Gang ist, gibt es in Europa schon länger keine großen Kriege mehr. Dafür sei die Europäische Union verantwortlich, dachte sich das Nobel-Komitee und vergab den Friedens-Nobelpreis. Ob er berechtigt ist, muss sich noch herausstellen. Das Maß ist aber schon klar: Der Umgang der EU mit ihren Nachbarn in Nordafrika und im Osten.
  • November: Das ganze Jahr über habe ich auf die US-Wahl hingefiebert und den Wahlkampf verfolgt: Sehr skurril, aber auch sehr lehrreich. Und dass es am Ende Obama 2.0 hieß, freut mich schon.
  • Dezember: Ich will eigentlich nur arbeiten, weil der Monat eigentlich nur ein halber ist. Trotzdem: Weihnachten und Neujahr treiben einen ins Sentimentale und ich höre oft die Frage, ob mein 2012 erfolgreich war? Hmm… Ich glaube schon. Auf die eine oder andere Art.

Wie sich die SZ einen Twitter-Skandal herschreibt


Alles fing mit ein paar Tweets an. Tweets, die nicht da auftauchten, wo manche sie gerne gesehen hätten. Nämlich auf der Hashtag-Seite des CDU-Bundesparteitags (#cdupt12). Und dann ging es gleich weiter: Das selbe Phänomen beim SPD-Parteitag (#spdbpt12). Was war passiert? In Kurzform: Twitter zeigt mir bei der Suche nach Hashtags nicht immer alle Tweets an, sondern sortiert nach “Top”, “Alle” und von “Leuten, denen ich folge”. Das Ziel ist dabei vor allem Spam auszuschalten, der bei beliebten Hashtags schnell mit Viagra-Werbung und Phishing-Links kommt. Aber man will auch Zufälle ausschließen. Ich erinnere mich da an ein Politikcamp (#pc..) auf dessen Twitterwall plötzlich Tweets einer asiatischen Porn Convention (#pc…) auftauchten. Klingt logisch, oder?

Man kann aber bei “fehlenden” oder “versteckten” Tweets auch von Verschwörungstheorie bis zu bedenkenloser Glaubwürdigkeits- und Informationsschädigung für die Bürger alles mögliche hineininterpretieren.

Die Story gibt es noch in schön bei Hildwin und bei Rotstehtunsgut. Trotzdem schaffte es die Süddeutsche Zeitung (SZ), namentlich Michael König, am 07.12.2012 einen abgrundtief boulevardesken Artikel über diesen vermeintlichen Skandal zu schreiben: “Twitter schönt den Parteitag“. Gerade so, als würde SZ-Online alle dpa-Meldungen eines Tages 1:1 übernehmen. Um so lesenswerter sind dann auch die Kommentare zu dem Artikel, in denen sich – neben den üblichen Trollen – Menschen wie der sehr wertgeschätzte DJV-Journalist Dirk Baranek zu Wort meldeten. Und damit war für mich die Sache auch eigentlich gegessen.

Bis ich auf den Kommentar “Twitters bedenkliche Allianz mit CDU und SPD” von Johannes Boie (10.12.2012) stieß. Dieser greift das Thema drei (!) Tage später auf, zitiert ungenannt “Kritiker” aber ignoriert dafür auch völlig, was zuvor u.a. in den Kommentaren zum König-Artikel geschrieben wurde. Was mich dabei aufregt? Die Ignoranz. Denn schon dem König-Artikel vom 7.12. kann man Unverständnis und Einseitigkeit vorwerfen. Dem Boie-Artikel muss man auch noch mangelnde Recherche und Skandalschreiberei vorwerfen, denn auch einen Meinungsartikel muss man argumentativ begründen können.

Seit Langem habe ich deshalb mal wieder einen Kommentar geschrieben:

Lieber Johannes Boie,

mit Verlaub – dieser Kommentar ist das Dümmste und vor allem Unpassendste, das ich seit langem Lesen musste und ich möchte das begründen.

Der Kommentar ist dumm, weil er eine Zeitungsdruckerei mit Twitter vergleicht. Er ignoriert, dass es in Zeitungsverlagen keine spammenden Journalisten gibt, die ihre Lettern zwischen die Texte anderer Journalisten quetschen, damit sie zufällig gelesen werden. Auf Twitter ist das so: Gibt es einen beliebten Hashtag, bleiben auch Viagra-Angebote nicht lange aus. Deshalb kuratiert Twitter sein Angebot, zeigt mir in erster Linie Tweets, die nach einem mir unbekannten Algorithmus als wichtig (sic!) bewertet werden. Das macht mein E-Mail-Programm übrigens mittlerweile auch – state of the art. Ich kann mir aber immer auch alle E-Mails oder Tweets anzeigen lassen. Das ist nicht “Verstecken”, das ist notwendige Nutzerführung in einem Medium, reich an Information. Wollen wir uns darin nicht bei jedem flüchtigen Blick verlieren, ist der Fokus ein notwendiger Zwang.

Der Kommentar ist gerade deshalb auch unpassend. Denn gerade Journalismus lebt davon, seinen Nutzer, den Leser zu führen. Aus der Vielzahl der Termine auf der morgendlichen dpa-Tagesübersicht wählt die Redaktion nach einem mir unbekannten Muster aus, worüber es sich zu berichten lohnt – vielleicht, was am wichtigsten (sic!) ist? Ich weiß es nicht, denn von vielen für mich interessanten Dingen auf Landesebene lese ich z.B. in der SZ nichts mehr, seit der Bayernteil zu Gunsten der Regionalteile abgespeckt wurde. Auch diese “Gatekeeper-Funktion”, die den Journalismus zur vierten Macht im Staat gemacht hat, ist manchmal transparenter (z.B. Bayernkurier) und manchmal nicht (z.B. PNP). Aber müssen wir deshalb vom Schönen von Seiten, vom Nach-dem-Mund-Schreiben oder gar der Zensur von Themen reden? Nein, jeder Journalist würde sich als unverstanden betrachten, die Notwendigkeiten, Grenzen und Zwänge der “Zeitungsmache” nicht ausreichend berücksichtigt.

Für Twitter-Nutzer gab es bei den Parteitagen von CDU und SPD nichts, was neu war oder worüber man sich aufregen müsste, wenn Aufregen nicht zur Berufsbeschreibung gehört: Lieber Johannes Boie, lesen Sie die Kommentare von Frank, Romy, Dirk, Mirko und Nicole zum leider boulevardesken Artikel “Twitter schönt den Parteitag” von Michael König. Die Glaubwürdigkeit die geschädigt wurde, ist die der SZ, die sich bedenkenlos einen vermeintlichen Skandal herschreibt.

Herzlichst Ihr

Bastian Dietz

 

Update: Der Deal

Ein anscheinend wichtiger Begriff in der Diskussion ist der “Deal”.

Aber ich sage: “The Deal is a lie. There is no Deal.” Die Parteien haben nichts gegeben und nichts bekommen. Ich bringe da mal Licht rein:

Twitter hat den großen Parteien CDU und SPD angeboten, eine spezielle Suchergebnis-Seite für die Hashtags ihrer Parteitage (#cdupt12 und #spdbpt12) zu gestalten. Diese speziellen Seiten – es gibt auch speziell gestaltete Profilseiten – sind aus Marketinggesichtspunkten besonders hübsch und Marken wie CocaCola oder Apple legen dafür 25.000 $ auf den Tisch. (Zum Vergleich: Das kostet in Deutschland eine handwerklich sauber gemachte, mittelgroße Unternehmenswebseite.) Das Angebot anzunehmen oder abzulehnen (Twitter kann ja auf seiner Plattform eigentlich machen, was es will), ist einer Diskussion gar nicht wert. Wenn die ZEIT einem Parteitag eine Seite widmet, wird ja auch nicht von einem “Deal” gesprochen.

Nun warum bietet Twitter den Parteien diesen Service kostenlos an? Die Antwort ist eigentlich sehr einfach:

  • Die Parteien bzw. Parteitage sind ein riesiger Multiplikator und die Medienresonanz ist entsprechend hoch. Ein besseres Werbeumfeld gibt es quasi nicht, will man ein Tool live im Betrieb zeigen und damit gleichzeitig noch eine der interessantesten Zielgruppen treffen: Politikinteressierte, kommunikative, engagierte Bürger/-innen, Entscheider/-innen, Unternehmer/-innen.
  • Man macht sich das Geschäft nicht kaputt: Die Parteien hätten die spezielle Suchseite nie zum Preis von 25.000 $ gekauft. Auch nicht für die Hälfte. Ich sag es mal aus Grüner Sicht: Ich weiß nicht, ob der freie Wahlkampfetat der Bundespartei für 2013 im Onlinebereich insgesamt überhaupt 25.000 Euro umfasst…

 

McKinsey-Studie: Nur 10 Prozent der deutschen Unternehmen steigern mit Social Media ihr Ergebnis

 

McKinsey & Company hat 200 deutsche Unternehmen zu ihrer Social Media Nutzung befragt und das Ergebnis in einer Studie mit dem schönen Namen “Turning buzz into gold” zusammengefasst. Für die Analyse befragte McKinsey Unternehmen nach allen Anwendungsfeldern, in denen soziale Netze sinnvoll eingesetzt werden können: Marketing, Kundenservice, Produktentwicklung, Vertrieb, externe Kommunikation, Personalgewinnung und interner Wissensaustausch. Die Studie kam schon vor ein paar Wochen heraus, aber ich fand erst jetzt Zeit, darüber zu lesen. Mein Fazit: Sehr spannend und einige gute Ansatzpunkte, vor allem wenn man in oder mit größeren Unternehmen arbeitet.

In der begleitenden Pressemitteilung heißt es: “70 Prozent der großen und mittleren Unternehmen in Deutschland messen Social Media eine hohe strategische Bedeutung bei. Von einem gewinnbringenden Einsatz dieser neuen Kommunikationsmedien sind die Unternehmen hierzulande allerdings noch entfernt: Gerade einmal 27 Prozent der Firmen erreichen ihre selbst gesteckten Ziele rund um Facebook, Pinterest, Twitter und Co. – und nur knapp 10 Prozent glauben, mit ihren Social-Media-Aktivitäten ihr Ergebnis zu steigern.”

Hohe positive Bewertung von Social Media, aber geringer Einsatz

„Die deutschen Unternehmen sehen ihren Erfolg mit Social Media eher nüchtern“, erklärt Karel Dörner, McKinsey-Partner und einer der Autoren der Studie „Turning buzz into gold“.   Zur Erklärung des immer noch überschaubaren Erfolgs deutscher Unternehmen in Social Media haben die Berater untersucht, was die nach eigener Einschätzung erfolgreicheren und erfahrenen Firmen anders machen und wo die übrigen Nachholbedarf haben. „Viele Firmen in Deutschland schöpfen die Möglichkeiten von Social Media bisher nur unzureichend aus“, erklärt Dennis Spillecke, Partner und Koautor der Studie. Während 70 Prozent der Unternehmen Social Media als Marketinginstrument nutzen, setzen es nur knapp die Hälfte in der externen Kommunikation, zu Vertriebszwecken, in der Produktentwicklung oder im Kundenservice ein. Damit nicht genug: „Die Nutzung von Xing, LinkedIn, Facebook oder Twitter für Sichten und Rekrutieren von Talenten ist in gerade einmal einem Drittel der Unternehmen bereits Praxis“, ergänzt Spillecke. Dies sei umso bemerkenswerter, als der Nutzen dieser Instrumente von den Befragten deutlich höher eingeschätzt werde als der von reinen Marketinganwendungen.

Die gute Nachricht: Immerhin 50 Prozent der Unternehmen haben ein Budget für Social Media, 79 Prozent fest zugeordnete Personalressourcen. „In 44 Prozent der Unternehmen ist das Thema Social Media personell im Vorstand verankert“, so McKinsey-Partner Johannes-Tobias Lorenz. Aber in nur 5 Prozent der Unternehmen werden die sozialen Netze über alle sieben Einsatzfelder der gesamten Wertschöpfungskette hinweg eingesetzt und systematisch mit den übrigen Geschäftsprozessen verzahnt.

Keine Angst vor “Shitstorms”

Eine Ursache für den zaghaften Umgang mit Social Media sei die Scheu vor den Risiken: „Der negative Effekt so genannter ‚Shitstorms’ wird aber überbewertet“, erklärt Lorenz. „Wer mit diesen Empörungswellen richtig umgeht, trägt keinen nachhaltigen Schaden davon.“ 60 Prozent der Unternehmen sehen sich zudem nicht in der Lage, den Effekt von Social Media adäquat zu messen: „Den Return on Investment ihrer Aktivitäten messen sogar nur 20 Prozent der Unternehmen“, erklärt Karel Dörner.

Alles in allem decken sich die Ergebnisse der Studie auch mit meinen Beobachtungen. Besonders spannend finde ich z.B. die auf Seite 24 der Studie dargestellten Möglichkeiten, Social Media strukturell im Unternehmen zu verankern. Nur so lässt sich m.E. über alle Geschäftsfelder hinweg ein Social Media Impact erzielen. Ich habe das gerade diese Woche bei einem Kunden erlebt, der vor rund zwei Jahren eine Online-Business-Unit eingerichtet hat. Nun profitieren andere Abteilungen bei neuen Online- & Social Media Kampagnen von den Errungenschaften der zentralen Online-Stelle wie Legal Clearance für bestimmte Vorgehen, etablierten Freigabe-Workflows für Inhalte oder der bereits erfolgten Einbeziehung des Betriebsrats. So werden mehrmonatige Zeitersparnisse in der Projektplanung realisiert.

Europa kompakt: Ultimativer Crash-Kurs über EU-Politik in 6 Bänden

Gerade bei Europawahlen stelle ich immer wieder fest, dass das Wissen der Bürgerinnen und Bürger, aber auch von Journalist/-innen uva. mehr über die EU doch sehr begrenzt ist. Dazu kommt, dass die EU wenig im Alltag der Menschen vorkommt und sich viele entweder über Bananen-Biegungs-Normen lustig machen oder die Staatengemeinschaft z.B. wegen ihrer intransparenten Verhandlungen bei ACTA oder SWIFT als negativ wahrnehmen.

Ein ausgewogenes und realistisches Bild möchte der Wiener Univ.-Prof. Johannes Pollak mit der im facultas.wuv-Verlag erschienenen Reihe Europa Kompakt zeichnen, die mit Band 5 und 6 nun einen Abschluss fand. Die Reihe informiert auf objektive Art und Weise, wie die EU funktioniert und ist sowohl für Praktiker, die sich einen Überblick verschaffen wollen, als auch für EU-Neulinge interessant. Neben Grundlagen wie Politischem System, Parteien und Lobbying werden die drei wohl wichtigsten Fachbereiche Wirtschafts- und Sozialpolitik, Außen- und Sicherheitspolitik sowie Energiepolitik behandelt.

Obwohl die einzelnen Themen interessant aufbereitet sind, werden Fachleute in den einzelnen Fachgebieten die Tiefe vermissen. Da Experten aber auch nicht die Zielgruppe der 18,90 € billigen Bücher sind, ist das zu verkraften. Einziger wirklicher Kritikpunkt an der Reihe: Die Bände 1 und 2 sind schon 2006/2007 und somit weit vor Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags (01.12.2009) erschienen. Vor allem beim ersten Band wäre eine Neuauflage deshalb dringend notwendig.

Nachfolgend stelle ich die einzelnen Bände kurz vor:

Band 1: Das politische System der EU

Mit dem ersten Band ­ „Das politische System der EU“ – bietet der Autor und Herausgeber Johannes Pollak (gemeinsam mit Peter Slominski) den LeserInnen einen hervorragenden Überblick über Fakten, Zusammenhänge und Hintergründe der Europäischen Union. So zieht sich der erste Band von der Geschichte der Integration, über die einzelnen Institutionen und deren rechtliche Rahmenbedingungen bis hin zu ausgewählten Politikbereichen. Ergänzt wird jedes Kapitel mit interessanten und nützlichen Web-Links und Tabellen.

UTB: facultas.wuv 2006, 246 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-8252-2852-1

Band 2: Lobbying in der EU
Was bedeutet Lobbying bei den diversen Entscheidungsfindungen? Aufbauend auf das Basiswerk begegnet Irina Michalowitz im 2. Band dem kontroversen, politischen Instrument der Lobbying-Aktivitäten in der EU. Sie schafft es Schaden und Nutzen abzuwägen und stellt Informationen für unterschiedliche Interpretations- möglichkeiten zusammen. Da die Autorin selbst als Lobbyistin aktiv ist (European Platform of Women Scientists), profitieren die LeserInnen von ihrem Insiderwissen.

UTB: facultas.wuv 2007, 234 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-8252-2898-9

Band 3: Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der EU
Welche Bedeutung hat die Lissabon-Strategie? Wer sind die zentralen Entscheidungsorgane und wie kooperieren sie mit den europäischen Sozialpartnern und der Zivilgesellschaft? Um begreifen zu können, wie in diesem komplizierten Machtgefüge tatsächlich Einfluss genommen werden kann, muss das politische System, welches diesem zu Grunde liegt, verstanden werden. Dies wird beschrieben in „Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der EU“. Uwe Potter erklärt, was die wirtschafts- und sozialpolitische Komponente für die europäische Integration bedeutet und informiert außerdem über dessen historische Entwicklung.

UTB: facultas.wuv 2009, 272 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-8252-2968-9

Band 4: Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU
Braucht jeder Mitgliedsstaat auch zukünftig eine eigene Armee? Franco Algieri beleuchtet im 4. Band die Bedeutung der „Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU“ im 21. Jahrhundert. Von der historischen Entwicklung angefangen bis hin zu der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik als Teil der GASP geht der Autor nicht nur auf die einzelnen Institutionen, sondern auch auf die Merkmale der Akteure ein.

UTB: facultas.wuv 2010, 222 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-8252-3130-9

Band 5: Die Energiepolitik der EU
Wie kann die EU für Versorgungssicherheit bei den Energieimporten sorgen? „Die Energiepolitik der EU“ steht im Fokus der Autoren Johannes Pollak, Samuel Schubert und Peter Slominski. Sie stellen die internationalen Dimensionen der europäischen Energieabhängigkeit anschaulich dar. Ebenfalls entscheidende Punkte sind der grenzüberschreitende Ausbau der europäischen Infrastruktur wie eine gemeinsame Umwelt- und Handelspolitik.

UTB: facultas.wuv 2010, 235 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-8252-3131-6

Band 6: Politischen Parteien in der EU
Welche Rolle spielen die europäischen Parteien in der EU? Einen systematischen Überblick über den Aufbau und der Bedeutung der „Politischen Parteien in der EU“ vermitteln Jürgen Mittag und Janosch Steuwer im 6. Band der Reihe. Den politischen Parteien auf europäischer Ebene, den Fraktionen des Europäischen Parlaments und den europäisierten nationalen Parteien als Hauptakteure der politischen Handlungsdimension gilt das Hauptaugenmerk. Vor allem nach der Ratifizierung des Vertrags von Lissabon wurde diesen mehr Kompetenzen zugesprochen. Dieser ist nur einer von vielen Entwicklungstrends und –perspektiven, welche abgehandelt werden.

UTB: facultas.wuv 2010, 314 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-8252-3305-1

 
Die Autoren:

  • Johannes Pollak, Univ.-Prof., Mag. Dr. MSc., ist Wissenschaftler am Institut für Europäische Integrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Lehrbeauftragter an den Universitäten Wien, Salzburg und Webster University Vienna.
  • Peter Slominsky, Dr., ist Wissenschaftler am Institut für Europäische Integrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Lehrbeauftragter an den Universitäten Wien.
  • Irina Michalowitz, Dr., ist seit April 2006 Research Policy Manager, European Platform of Women Scientists, Dozentin am United Business Institutes in Brüssel, Gastdozentin an der Donau-Universität Krems und arbeitet an ihrer Habilitation.
  • Uwe Puetter, Dr., ist Associate Professor am Department of Public Policy der Central European University in Budapest.
  • Franco Algieri, Dr., ist Forschungsdirektor am Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik (AIES) in Maria Enzersdorf bei Wien und Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen.
  • Samuel R. Schubert, M.A., lehrt an der Webster Vienna Private University.
  • Jürgen Mittag, Dr., Wiss. Geschäftsführer des Instituts für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum.
  • Janosch Steuwer, M.A., Wiss. Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum.


Mehr als ein Designtrend: Reduktion

 

Will man beschreiben, wie state-of-the-art-Design aussieht, würde man sich wohl apple.commozilla.org oder barackobama.com als Referenz nehmen. Nun kommt wohl auch die Microsoft-Seite dazu, wie man auf dieser Preview-Seite sehen kann. Diese und viele andere erfolgreiche Websites arbeiten mit viel freiem Raum, bieten dem Nutzer Leads-generierende Aktionen an und – vor allem – sie vereinfachen ihr Auftreten, sie reduzieren den Inhalt auf das Wesentliche.

Die Vereinfachung und Reduzierung erleichtert auch das responsive Design. Je weniger Inhalte eine Webpräsenz im wahrsten Sinn “verstopfen”, um so leichter fließen bei wechselnder Browser-/Bildschirmgröße die Elemente auf der Seite. Auch das zeigt die Microsoft-Preview sehr schön. Ein anderes gutes Beispiel dafür ist das bekannte smashing magazine (einfach den Browser schmal ziehen und schauen, was passiert).

Reduktion ist dabei mehr als nur ein Designtrend: Viele Seiten bieten so viel Informationen und Aktionen an, dass Nutzer gar nicht mehr wissen, was wichtig ist und was sie tun sollen. Für Webseitenbetreiber ist aber genau das unabdingbar: Sie müssen dem Besucher ihrer Seite ganz klar sagen “Bestelle hier!” oder “Kaufe das!” Der Vergleich zwischen der alten und der neuen Microsoft-Seite oben zeigt das ganz deutlich.

Die Reduktion auf wesentliche Elemente erleichtert außerdem das intuitive Erfassen einer Webseite oder einer Software. Das könnte man auch als Erfolgsgeheimnis von Apple ansehen, die mit einem absoluten Minimum an Knöpfen, Anschlüssen, Geräten, Programmen und Einstellungsmöglichkeiten die Nutzer begeistern. Die Idee: Mehr muss nicht immer besser sein. Und so sagte der legendäre Zen-Buddhist und Apple-Gründer Steve Jobs über Einfachheit beim Software-Design:

“That’s been one of my mantras — focus and simplicity. Simple can be harder than complex: You have to work hard to get your thinking clean to make it simple. But it’s worth it in the end because once you get there, you can move mountains.”

Damit traf Steve Jobs genau ins Schwarze und ich freue mich, dass ich gerade selbst an zwei ähnlichen Projekten arbeiten darf und in Zukunft hoffentlich noch oft arbeiten darf.


Microsoft Corporation  Software, Smartphones, Online, Games, Cloud Computing, IT Business Technology, Downloads-211906
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Einführungsvideo: SEO mit Google

Cross-Post aus dem schalk&friends-Blog:

Google veröffentlicht – leider nur auf Englisch – regelmäßig Videos, die sich an Webseitenbetreiber richten. In einem aktuellen und sehr informativen Video erklärt Maile Ohye, wie man mit den kostenlosen Google-Werkzeugen Suchmaschinenoptimierung (SEO) betreibt. In nicht einmal 10 Minuten gibt sie einen strammen Überblick über die Webmastertools und alles was dazu gehört – inklusive einer Strategie, wie man seine Webseite für Online- und Social Media Marketing optimieren kann.

Ich kann das Video für alle SEO-Einsteiger nur empfehlen.

Vizepräsidenten-Biographie: “Joe Biden: A Life of Trial and Redemption”

Wer die Wiederwahlkampagne von US-Präsident Barack Obama verfolgt wird immer wieder auf das Obama-Biden-Logo stoßen. Im Gegensatz zum beliebten Obama, ist in Deutschland über den mindestens ebenso sympathischen Joe Biden fast nichts bekannt. Gerade im Vorfeld der US-Präsidentenwahlen im November, sollte man sich mit Joe Biden aber unbedingt befassen.

Joe Biden wuchs als Arbeiterkind in Scranton, Pennsylvania und Wilmington, Delaware auf und schockte die Amerikaner, als er 1972 zum jüngsten Senator der US-Geschichte gewählt wurde. Biden hat eine atemberaubende Lebensleistung als Politiker, die jedoch von vielen persönlichen Schicksalsschlägen begleitet wird. So verlor er kurz nach seiner Wahl zum Senator seine Frau und seine Tochter bei einem Unfall und überstand in den Folgejahren zwei Schlaganfälle. Nun ist Joe Biden der 47. US-Vize-Präsident und wer etwas hinter die Kulissen der Obama-Regierung blicken will, sollte sich mit diesem Politiker befassen, der seit gut 40 Jahren die Washingtoner Politik entscheidend prägt.

Joe Biden: A Life of Trial and Redemption von Jules Witcover erschien am 5. Oktober 2010 und ist nach wie vor die aktuellste und beste Biographie über US-Vizepräsident Joe Biden. Der Autor ist einer der altgedientesten und profiliertesten Journalisten in Washington D.C., schrieb für die Baltimore Sun und veröffentlichte mehrere Bücher, darunter das vielbeachtete 85 Days: The Last Campaign of Robert Kennedy. Witcroft hat eine beeindruckende Biographie geschrieben, die durch ihre Tiefe in Recherche und politischem Verständnis überzeugt.

Das Buch wird wohl nicht in Deutschland erscheinen, aber wer des Englischen mächtig ist, kann sich die amerikanische Fassung für 22,99 € bei Amazon bestellten.

Zocken bis die Kanzlerin kommt: PC- und Online-Spiele zum Thema Politik

Politik hat schon manchmal etwas von einem Spiel: Da wird gemauschelt und betrogen, mit (fast) allen Mitteln für ein Ziel gekämpft und oft heißt es am Ende nicht “der Beste gewinnt”, sondern “Dabeisein ist alles”. Sogar die Wissenschaft hat sich mit dieser Metapher auseinandergesetzt und festgestellt, dass tatsächliche viele politischen Entscheidungen “spielerisch” zustande kommen. Da liegt es dann doch nahe, das ganze auch als wirkliches “Spiel” umzusetzen. Natürlich müssen dabei aber einige Abstriche gemacht werden, denn wer schon einmal an einer sechsstündigen Haushaltsdebatte in einer niederbayerischen Kleinstadt teilgenommen hat, weiß: Politik kann auch ziemlich öde sein. Am Computersspielmarkt gibt es deshalb wohl nur eine überschaubare Anzahl von Spielen, die einen Schwerpunkt auf “Gesellschaft & Politik” haben. Bewusst wurden an dieser Stelle reine Gesellschaftsspiele (z.B. Die Sims), Wirtschaftssimulationen (z.B. Siedler) oder Kriegssimulationen (z.B. Supreme Ruler 2020) ausgeblendet. Übrig blieben die nachfolgend dargestellten.

1. PC-Spiele

Den Inhalt von “Demokratie ”, so Hersteller FIP Publishing GmbH, macht den Spieler zum Präsidenten oder Premierminister eines modernen Staates, der nach einem einfachen demokratischen System regiert wird. Man braucht über 50 Prozent der Stimmen bei jeder Wahl, um im Amt zu bleiben. Ziel des Spiels ist es, so lange wie möglich im Amt zu bleiben – es gibt keine Beschränkung der möglichen Amtszeiten.” Das hört sich doch ganz nach dem Traumspiel vieler Politiker an. Das Spiel kostet ca. 8 Euro.

Der Politiksimulator von Soulfood Music Distribution ist “ein spannendes, wirtschaftliches und geopolitisches Simulationsspiel mit hochaktuellen und realen Hintergrundstatistiken. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Staats- oder Regierungschefs (Präsident, Monarch, Premierminister o.ä.) eines beliebigen derzeit in der UN Charta geführten Landes, und kann in den folgenden Bereichen handeln: Wirtschaft, soziale Angelegenheiten, Militär, Innen- und Außenministerium, Ökologie, Kultur etc. Jedes Land der Welt ist mit allen Eigenheiten und Parametern vorhanden – insgesamt mehr als 400 Daten und Fakten pro Land. Der Spieler wählt aus mehr als 1000 verschiedenen Handlungsmöglichkeiten: Gesetze, Steuern, wirtschaftliche Verträge , Meetings, militärische Operationen, Geheimdienste, Bauvorhaben, Regierungsänderungen und vieles mehr.” Das hört sich sehr komplex an und scheint an eine echte Simulation politischer Vorgänge sehr nahe ran zukommen. Das hat auch Herbert Aichinger von der Süddeutschen Zeitung zu einem Test veranlasst. Sein Fazit: “Der “Politik Simulator” ist nichts für Gelegenheitszocker, die zwischendurch mal ein bisschen Merkel, Putin oder Bush spielen wollen. Dazu ist das Programm zu sehr auf die ernsthafte Auseinandersetzung mit politischen Zusammenhängen ausgelegt und weniger auf den Unterhaltungsaspekt.”

Mittlerweile gibt es den Nachfolger, Politiksimulator 2: Rulers of Nations, der den Spieler wiederum zum Staatschef macht. Dabei kann man aus zwei Spielmodi wählen: Beim Wettbewerbsmodus kann man allein oder mit bis zu 16 Mitspielern um die Vorherrschaft kämpfen. Beim Simulationsmodus gilt es, als einer von 170 Staatschefs ein dazugehöriges Szenario (z.B. “Entkommen Sie der Weltkrise” oder “Afghanistan: Das neue Vietnam?”) zu lösen. Dabei sind die Spielinhalte an Aktualität kaum zu überbieten.

Der Politiksimulator 1 kostet ca. 14 Euro, der Politiksimulator 2: Rulers of Nations kostet ca. 19 Euro.

Das Spiel “Im Zentrum der Macht” aus der Lernedition “Genius” (Cornelsen Verlag) ist zwar nicht so komplex wie der eben vorgestellte Politiksimulator, trotzdem ist er mehr politische Bildung als Polit-Action: “Ein politisches Talent tritt an, um Bürgermeister einer kleinen Gemeinde zu werden. Der Spieler muss lebenspraktische Fragestellungen mit den Spielregeln des Rechtsstaates und der politischen Grundordnung verknüpfen und die Verkehrs-, Wirtschafts, Bildungs- und Familienpolitik gestalten. Schafft es der Spieler, die Bedürfnisse der Bürger durch seine gute Politik zu befriedigen, so gewinnt er die Wahlen und kann zum Ministerpräsidenten eines Landes und schließlich zum Bundeskanzler aufsteigen.” Das Spiel, das rund 8 Euro kostet, eignet sich vor alle für jüngere Jugendliche, die erlebnisorientiert einen ersten Einblick in das Themenfeld “Politik” bekommen wollen.

SuperPower (DreamCatcher Games) und der Nachfolger SuperPower 2 (Flashpoint) basieren auf Originaldaten von CIA, US-Militär und Vereinte Nationen – was ein sehr realistisches Basisszenario ergibt – und sind eher Aufbausimulationen mit militärischem Anstrich. Trotzdem geht es nicht einfach darum, andere Länder zu überfallen oder in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben, auch der politische Dimension wurde hier breiter Raum eingeräumt: “Bauen Sie Ihr Land auf und vergrößern dessen Einfluss in der Welt, während Sie gegen eine hoch entwickelte KI antreten. Auf Ihrem Weg an die Spitze können Sie wirtschaftliche Sanktionen verhängen, Bündnisse eingehen und militärisch gegen Gegner vorgehen. Sie können die Handlungen jeder Nation genau bestimmen, von der Gestaltung oder dem Bruch von Verträgen bis hin zu strategischen Entscheidungen bei militärischen Konflikten.” Von den bisher vorgestellten Spielen sind die SuperPower-Spiele sicherlich die, die am wenigsten mit realer Politik und mehr mit Action zu tun haben. Die Spiele kosten 2 Euro (alte Version) bzw. 15 Euro (neue Version).

SimCity Societies – aus der bekannten SimCity-Reihe – ist ein kleiner Ausreißer in der Liste der politischen PC-Spiele. Der Publisher Electronic Arts GmbH beschreibt es als das “vielseitigste Städtebauspiel aller Zeiten”, was auch schon den Schwerpunkt des Spiels, die Aufbausimulation verdeutlicht. Dennoch, geht es bei dem Programm nicht nur darum, “mithilfe einer Vielzahl neuer, revolutionärer Features Städte nach eigenen Vorstellungen” zu erbauen. Zusätzlich zu dem, was man aus dem klassischen SimCity kennt, kann der Spieler eigene Kulturen, sozialen Strukturen und Umgebungen” gestalten: ”Erschaffe eine Stadt der Kunst, einen Orwellschen Staat, eine futuristische Metropole, eine “grüne Oase”, eine spirituelle Gemeinschaft oder welche Gesellschaft auch immer du dir wünschst. ” Somit ist SimCity Societies zwar kein richtig politisches Spiel, aber auch keine reine Aufbausimulation – es liegt wohl irgendwo dazwischen und macht vor allem wegen seiner Grafik Spaß. Für Freunde des klassischen SimCity dürfte das Spiel hingegen eine Enttäuschung sein, da der Wirtschaftssimulationsteil quasi nicht vorhanden ist. Das schlägt sich auch in den Amazon-Bewertungen nieder. Das Spiel kostet ca. 10 Euro.

Bundeskanzler 2009-2013 – der Titel sagt eigentlich schon alles über das Spiel. Man steigt als Kanzler und Parteichef ein und muss fortan mit Ministern, Gewerkschaften und anderen Partnern verhandeln, um am Ende wiedergewählt zu werden. Das Spiel hat eine unglaubliche Bandbreite an Funktionen und Möglichkeiten. U.a. können Bilder, Logos und Namen von eigenen Parteien hochgeladen werden und man kann die Ergebnisse aktueller Wahlen eingeben, um eine realistische Sitzverteilung im Parlament zu erreichen. Sehr deutsch, sehr realitätsnah. Leider sind sich alle Rezensenten einig, dass das Spiel sehr unübersichtlich und kompliziert zu bedienen ist, es kaum Hilfe gibt und wohl einige Programmierfehler drin stecken. Hier also eher der Vollständigkeit halber, aber mit 20 Euro macht man auch nicht viel falsch.

Fazit: PC-Spiele

Diese Politik-Spiele werden sicherlich nie Platz 1 der PC-Games-Verkaufscharts erreichen, aber sie zeigen, dass der Computerspiele-Markt nicht nur gewaltreiche Actionspiele oder todlangweilige Ponyhof-Simulationen zu bieten hat. Mir persönlich hat es aufgrund der Aktualität der Szenarios vor allem der Politiksimulator 2: Rulers of Nations angetan und ist deshalb mein Kauftipp!


2. Online-Spiele

Als erstes Spiel ist an dieser Stelle ist sicherlich das Serious Game “Last Exit Flucht” vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zu nennen. Das Spiel wurde mit dem Multimedia- und E-Business-Staatspreis 2006 ausgezeichnet und verfügt neben dem Spielinhalt auch über eine spezielle Webseite für Lehrer sowie über eine gute Fakten-Webseite über Flüchtlinge und Flucht. Bei dem Spiel geht es nicht ums Regieren, sondern man schlüpft in die Rolle eines Flüchtlings und versucht, sicher ans Ziel zu kommen. Gar nicht so einfach, denn in den drei Kapiteln “Krieg & Konflikt (Auf der Flucht vor Verfolgung)”, “Grenzland (Kann ich hier bleiben?)” und “Ein neues Leben (Verlust & Herausforderung)” erlebt der Spieler, womit jeder Flüchtling konfrontiert ist. Ein spannendes, lehrreiches, gut aufgemachtes und – trotz des schwierigen Themas – unterhaltendes Spiel.

“democracy online today” oder einfach dol2day ist die erste Plattform, die mir zum Thema Politiksimulation einfällt. Allerdings ist sie nicht wirklich ein Spiel, sondern eher eine Community, die Politik simuliert. dol2day gibt es seit nunmehr 12 Jahre und ist damit der Ur-Community für Politiksimulation. So lange wird übrigens auch schon ein Internet-Kanzler innerhalb der Plattform gewählt – das war es dann aber schon an Gamification. Der Rest sind eher ernsthafte Diskussionen über reelle politische Probleme. Diese werden auch gerne im “real life” fortgesetzt, denn viele der Community-Mitglieder kennen sich mittlerweile auch im echten Leben.

Ein großes Politik-Online-Spiel ist ars regendi, bei dem es darum geht, die Macht über ein Land zu übernehmen. Man trifft Entscheidungen, schließt Allianzen, kümmert sich um das Volk und überwacht den Haushalt: “Ars Regendi stellt den Anspruch, eine äußerst komplexe und realistische Wirtschaftssimulation zu sein, bei der Sie ihre politischen und ökonomischen Fähigkeiten im Wettbewerb mit anderen Herrschern auf die Probe stellen. Und bei Scheitern Ihr Zepter abgeben müssen…” Das Zitat sagt es schon: Es handelt sich bei ars regendi um ein Multiplayer-Online-Spiel, bei dem man auch gegen andere “Herrscher” antritt. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es bei dem ansonsten kostenlosen Spiel: Wer Bündnisse gründen, den Haushalt vernünftig verwalten und eigene Flaggen verwenden will muss für einen kleinen Obulus (2,99 Euro / Monat) das Spiel upgraden.

Das dritte politische Online-Spiel ist das relativ bekannte Power of Politics. Das Spiel hat 2006 den Galaxy Award als Browserspiel des Jahres gewonnen und ist eine höchst interessante, dabei aber relativ einfach zu bedienende Politiksimulation. Dabei ist Power of Politics nicht auf Weltherrschaft oder Phantasiestaaten ausgerichtet, sondern orientiert sich an deutschen, österreichischen oder schweizer Verhältnissen. Ausführliche, übersichtliche Infos zum Spiel gibt auf der Webseite inkl. einiger Screenshot, die einen guten Eindruck vermitteln. Das Multiplayer-Spiel, das nach eigenen Angaben rund 30.000 Nutzer verzeichnet, schickt den Spieler auf Wahlkampftour, in das eigene Büro und natürlich in einen Bezirk bzw. Wahlkreis. Ziel bei der realistischsten aller bisher getesteten Politiksimulationen ist, eine hohe Popularität zu erreichen. Dass sich Macht hier als Produkt von vernünftiger Politik mit guter Medienarbeit (man kann sogar eigene Pressekonferenzen geben!) präsentiert, unterstreicht m.E. nur die Realitätsnähe.

vDeutschland ist ebenso wie die anderen Online-Communities seit 2006/2007 am Start. Ziel ist es, das politische System Deutschlands zu simulieren, es gibt hier aber auch die USA und Großbritannien zu Auswahl. Schön ist hier, dass die Spieler sofort nach der Anmeldung Abgeordnete eines Landesparlaments sind und sich dann in den sehr realistischen Bahnen des jeweiligen Politiksystems bewegen müssen. vDeutschland ist sehr realitätsbezogen und mein Tipp, wenn man spielerisch das politische System Deutschlands oder der USA erkunden möchte.

Fazit: Online-Spiele

Vielen der Online-Plattformen sieht man ihre mittlerweile fünf bis sechs Jahre auf dem Markt zwar an, an Aktualität haben diese Simulationen aber nicht eingebüßt. Wer also auf eher technische Simulationen und viel Diskussion in Foren steht, ist hier gut aufgehoben.


Exkurs: World of Warcraft

Eigentlich ist World of Warcraft keine Politiksimulation. Aber man kann hier trotzdem viel lernen: Im alltäglichen Miteinander in dieser riesigen Spielwelt und in der eigenen Gilde oder Raidgruppe gilt es zahlreiche Dinge zu beachten, damit die MitspielerInnen glücklich sind. Dabei ist das Leiten einer Gilde nicht minder komplex, wie die Führung eines Vereins oder einer Partei und die eingesetzten Mittel wie Teamspeak, Foren und Webseiten stehen beruflich eingesetzten WebEx-Sitzungen oder Collaboration-Plattformen in nichts nach. Wer also gleichzeitig Spaß haben möchten und seine Qualifikationen als “Führungspersönlichkeit” unter Beweis stellen möchte, kann das bei WoW sehr gut machen. Das Tolle: Man lernt sehr schnell, denn das Feedback der Gruppe ist meist direkt und schonungslos. ;-)
Was übrigens für World of Warcraft spricht: Die Community ist so groß, dass sich wirklich komplexe soziale Interaktionen abbilden. Vergleichbares ist mir für Spieler aus Deutschland eigentlich nur bei Guild Wars bekannt, das auch auf eine große Community verweisen kann. Guild Wars 2 erscheint im August 2012 und ist sicher auch einen Blick wert.

Die erste Fassung dieses Artikels erschien am 2. Januar 2010 auf netzmedien.org